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Geschichte


(1924: Gründung; 1999: Feierlichkeiten zum 75-jährigen Bestehen)

Vor 75 Jahren waren es fünf Honoratioren, die im Münsterländer Hof den Reiterverein aus der Taufe hoben. Ferdinand Engelen, Theodor Panick, Theodor Wieschmann, Wilhelm Topp und Paul Kampmann. Heute sind es fast 250 Mitglieder.

Im Schatten des Rennvereins, der 1911 gegründet worden war, hatte es der junge Verein in der Pferdehochburg Drensteinfurt anfangs nicht leicht. Reitsport war für die vorhandenen Pferde im Regelfall nur die Feierabend-Beschäftigung. In erster Linie waren sie Arbeitspferde in der Landwirtschaft. Und auch an einen festen Reitplatz, geschweige denn an eine Reithalle war anfangs nicht zu denken. Viel Idealismus und gute Ausbilder von der Reichswehr aus Münster wie Wachtmeister Leisentritt, Wachtmeister Groppe und Oberst von Poser führten jedoch auf den richtigen Weg.

Und bald hatten nicht nur die in Drensteinfurt gezüchteten Pferde – noch heute stehen Namen wie Langenstroth oder Lükens hoch im Kurs bei der westfälischen Züchterschaft – sondern auch die heimischen Reiter einen guten Ruf. Die Vereinsannalen nennen hier als Erfolgsgaranten der alten Schule Wilhelm Schmand, Hildegard Nathrath, Alfons Leifert, Heinrich Gunnemann, Franz-Josef Osthues, Bernie Niehoff und Theo Hegemann.

Um ein Haar hätten die Drensteinfurter in den 30er Jahren auch einen Reiner Klimke oder H.G. Winkler in den Schatten stellen können. Rudolf Lackhoff und seine braune Stute „Zitta“ hatten das Zeug zum ganz großen Durchbruch. Als 11-jähriger siegte Lackhoff bereits in S-Springen. Als 13-jähriger stand er kurz vor der Berufung in die Nationalmannschaft, die Deutschland beim Nationenpreis in Rom vertreten sollte. Doch dafür erschien er den Verantwortlichen noch zu jung. Kurz darauf begann der zweite Weltkrieg. Dafür war er dann nicht zu jung, und damit nahm eine hoffnungsvolle Karriere ein frühes Ende.

Rudi Lackhoff, Drensteinfurts junges Aushängeschild, war in vielerlei Hinsicht ein echter „Horseman“. Zitta war für den erfolgreichen Reiter kein Sportgerät, sondern ein echter Kumpel. Die Stute sprang nicht nur außergewöhnlich. Sie legte sich auch auf Kommando hin und Lackhoff machte Handstand auf ihrem Rücken. Eben ein vielseitiges Pferd.

Während der NS-Diktatur wurde die Geschichte des Reitervereins unterbrochen und erst 1948 wurde der Verein reaktiviert. Es dauerte aber noch weitere 16 Jahre, bis sich die Drensteinfurter Reiter im gesellschaftlichen Leben der Wersestadt wieder voll etablieren konnten. Sichtbar wird das mit den Feierlichkeiten zum 40-jährigen Bestehen am 11. November 1964. Gefeiert wurde damals ebenso wie heute mit einer Jubiläums-Fuchsjagd, bei der ein Feld von 45 Reitern auf dem Hof des damaligen Kreislandwirtes Wirxel und beim damals amtierenden Fuchsmajor Alfred Buttermann Station machte

Zum 50-jährigen Bestehen kam mit den Cappenbergern eine der ältesten Meuten Deutschlands zum Haus Ossenbeck, von wo aus damals zum Ritt quer durch die Rieth gestartet wurde.

Die Jubiläumsfeierlichkeiten lösten gleichzeitig einen gewaltigen Aufschwung aus. Ein Jahr später, am 11. Oktober 1975, wurde die Reithalle am Hof Nathrath eingeweiht. Im Besitz der eigenen Halle etablierte sich der RV Drensteinfurt dann auch in der Riege der Turnierveranstalter. 300, 500 und am 30. Juni 1984 beim zehnten Turnier schließlich 700 Pferde gingen am Hof Nathrath bei unterschiedlichsten Prüfungen an den Start.

Damals war der RV Drensteinfurt aber auch Vorreiter ganz besonderer Art. Als erster Reiterverein der Region setzte er die kommunale Neugliederung um. Drensteinfurt, bis dato Kreis Lüdinghausen, war dem Kreis Warendorf zugeschlagen worden. Als 19. Verein traten die Stewwerter schon zwei Monate nach der kommunalen Neugliederung dem Kreisreiterverband Warendorf bei.

1977 begann in Drensteinfurt eine ganz besondere Nachwuchsarbeit beim Reiterverein. Damals schlug die Geburtsstunde der Voltigierabteilung. Mit Dorothee Wiewelhove an der Spitze sind seitdem die Stewwerter bei Kreis-, Bezirks- und Westfalenmeisterschaften der Voltis ganz vorne vertreten.

In den 80er Jahren hatten die Drensteinfurter Reiter Nachwuchssorgen. Barbara Rentsch-Buschkötter übernahm die Werbung des Vereins und rief mit der Anschaffung von Vereinsponys eine Ponygruppe ins Leben, aus der sich zahlreiche junge Reiter mit eigenen Ponys und Pferden rekrutierten, die den Verein wieder zur Teilnahme an Kreismeisterschaften führten.

Qualifizierte Reitlehrer mit eigener erfolgreicher Turnierlaufbahn wie Jutta Sieg, Susanne Riedel-Lükens und Andreas Kurzhals führten sie erfolgreich auf den Weg:

1990:   Sophia Rentsch macht den 2. Platz in der Einzelwertung der Ponymannschaften beim Altkreisturnier in Lüdinghausen und qualifiziert sich für das Stechen in der Dressurmeisterschaft

1991:   Sophia Rentsch qualifiziert sich mit einem 5. Platz in der Einzelwertung der Kreismeisterschaft im Vierkampf für die Westfälischen Meisterschaften

1993:   Bertha Rentsch qualifiziert sich als jüngste Teilnehmerin mit elf Jahren mit einem 6. Platz in der Einzelwertung der Kreismeisterschaft im Vierkampf für die Westfälischen Kreismeisterschaften

1995:   Bertha Rentsch reitet ihr Springpony „Donnerwetter“ im Bundeschampionat auf Platz acht

1995:   Sie wird mit ihrem Dressurpony „Wiona“ Kreismeisterin in der Dressur

1995:   Sie wird mit „Donnerwetter“ Vize-Kreismeisterin im Springen

1996:   Die Ponymannschaft mit Birgit Drepper, Cindy Puchalla, Anne Storck und Monika Storck erreicht bei der Kreismeisterschaft der Platz fünf; in der Einzelwertung erreichen Cindy Puchalla mit „Wiona“ den 4. und Monika Storck mit „Mighty Mouse“ den 5. Platz

1996:   Bertha Rentsch wird Vize-Kreismeisterin in der Dressur

1996:   Sie holt den 3. Platz im Springchampionat

1997:   Die Ponymannschaft gewinnt den Ponywimpel des Kreises Warendorf

Die ersten Ponyreiter entwachsen ihren Ponys und steigen auf Großpferde um, und mit harter Winterarbeit kann man an die Erfolge der Ponyzeit anknüpfen:

1998:   Cindy Puchalla wird mit „Die Mia“ Jugend-Vize-Kreismeisterin in der Dressur

1999:   Bertha Rentsch wird mit „Why not Meteor“ Jugend-Vize-Kreismeisterin im Springen

1999:   Cindy Puchalla wird mit „Don Carlos“ 4. der Jugendkreismeisterschaft in der Dressur

Gepflegt haben die Drensteinfurter Reiter im Übrigen ein paar Aushängeschilder ganz besonders: Ihre jeweiligen Vorsitzenden. Meistens blieben sie über Jahrzehnte in Amt und Würden, etwa Heinrich Schulte Beckendorf und Heinrich Grewe. Schon sechs Jahre führt Andreas Kurzhals den Verein mit viel Geschick, so dass das diesjährige Jubiläumsturnier auf einer neuen Außenanlage stattfinden kann, die auch den wachsenden Anforderungen des modernen Turniersports gerecht wird.

Nicht zuletzt seien noch die Reitanlagen Lükens und Vögeling erwähnt, deren Reiter ebenfalls dem Reiterverein Drensteinfurt angehören.

Heinrich Lükens flüchtete Anfang der 60er Jahre mit fünf seiner besten Zuchtstuten aus Mecklenburg, siedelte sich in Drensteinfurt an und baute hier mit großem Pferdeverstand ein neues Gestüt auf, dessen Nachkommen heute im internationalen Sport wiederzufinden sind. Im medizinischen Bereich ist sein Hof seit einigen Jahren als Pferdemilchstation bekannt. Schon in frühen Jahren lehrte er seinem Neffen Andreas Kurzhals die Liebe zu den Pferden und alles, was er über Pferde wusste. So war der reiterliche Erfolg vorprogrammiert: Andreas Kurzhals wurde auf Pferden aus der Lükens-Zucht in der Vielseitigkeit:

1978:   Westfälischer Vizemeister mit „Rocca“

1980:   11. bei den Deutschen Meisterschaften mit „Astria“

In den folgenden Jahrzehnten erritt er zahlreiche Siege und Platzierungen in S- und M-Springen, davon viele auf Pferden seines Onkels aus dem Gestüt Herrenstein.

Heinz Vögeling setzt den Schwerpunkt seiner Reitanlage im Freizeitreiten und in der Jugendarbeit. Seit einigen Jahren koordiniert er die alljährliche Fuchsjagd im Oktober.